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Tradition

Ein Hauptbestandteil der Forschung des Instituts ist die Aufarbeitung der friedensethischen Tradition. So wie das abendländische Denken überhaupt, ist auch die theologische und philosophische Tradition in Bezug auf die Themen Krieg und Frieden in der Antike verwurzelt. Seit dieser Zeit wurde in jeder Epoche – durch Mittelalter und Neuzeit hindurch bis heute – um die Frage gerungen, in welchem Verhältnis Krieg, Frieden und Gerechtigkeit zueinander stehen sollen. Eine der Kernfragen ist, ob es ethisch erlaubt sein darf, kriegerische Gewalt anzuwenden, um Frieden zu erreichen und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. Ziel des Projektes ist es, die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen und deren Wirkungsgeschichte herauszuarbeiten. Auf diese Weise werden nicht nur die Wurzeln unseres heutigen Denkens freigelegt. Es wird auch unsere heutige Perspektive um die Ergebnisse früherer Reflexionen erweitert. Bis jetzt wurden unter anderem die Autoren Cicero, Augustinus, Thomas von Aquin, Francisco de Vitoria und Francisco Suárez untersucht. Eine Dissertation über Domingo de Soto wurde neu aufgenommen. Weitere Dissertationen, Habilitationen und Symposien zu diesem Thema sind geplant.

 

 

Projektverantwortung: Prof. Dr. Gerhard Beestermöller, stellv. Direktor
E-Mail: beestermoeller@ithf.de
Telefon: +49 (0)40 / 67 08 59-21

 

Forschungsprojekt: „Politisch-ethische Kernfragen der Spanischen Spätscholastik: Domingo de Soto“

Das neuste Projekt der Klassikerforschung am IThF beschäftigt sich mit Domingo de Soto (1494/5-1560). Er gehört zur berühmten Schule von Salamanca, welche die so genannte Spanische Spätscholastik im 16. Jh. mitbegründete. De Soto, der in der Forschung meist im Schatten des bekannteren Francisco de Vitoria steht, war Professor an der Universität von Salamanca, Beichtvater Karls V. und Teilnehmer am Trienter Konzil. Durch seine diplomatische Art hatten seine Werke großen Einfluss auf die Lehrmeinung zu Recht und Gesetz in seiner Zeit und somit auch auf unsere Vorstellungen bis heute. De Soto und sein Werk in ihrer Bedeutung für die Friedensethik zu erfassen und für heutige Leser zugänglich zu machen, ist Ziel dieses Projekts. Nach dem Erstellen der Vorstudie des Projekts, wird derzeit das einleitende Kapitel zum geschichtlich-politischen, biographischen und literarischen Hintergrund erarbeitet.

 

 

Projektbearbeiter: Annica Grimm, Lic.Theol.
E-mail: grimm@ithf.de
Telefon: +49 (0)40 / 67 08 59-20

 

Forschungsprojekt: Cicero und der gerechte Krieg. Friedensethik im Kontext römischer Staatsphilosophie

Der römische Politiker und Philosoph Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) war der Erste, der den lateinischen Ausdruck „bellum iustum“ (gerechter Krieg) verwendet hat. Mit seinen Reflexionen zu der Frage nach der Legitimität von Kriegen hat er bis ins Mittelalter hinein die theologische Auseinandersetzung beeinflusst. So stützten sich unter anderem der Kirchenvater Augustinus und der Theologe Thomas v. Aquin in ihren Überlegungen zum gerechten Krieg auf Cicero. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde vor kurzem eine Dissertation abgeschlossen, bei der es darum ging, welche Fragestellungen Cicero in Bezug auf Krieg, Frieden und Gerechtigkeit hatte und welche Antworten er darauf gegeben hat. In der Arbeit werden alle Äußerungen Ciceros über den gerechten Krieg im philosophischen Kontext des jeweiligen Werkes interpretiert und untereinander verglichen. Dabei zeigt sich, anhand welcher ethischen Prinzipien Cicero seinen Standpunkt im Hinblick auf Krieg und Gerechtigkeit entwickelt hat.

Projektbearbeiter: Andrea Keller, M.A.
E-Mail: keller@ithf.de